Taurin im Katzenfutter – Barfen mit oder ohne Taurinpulver?

Jetzt wird nochmal aufgeräumt! 2010 begann ich mich mit Katzenernährung gründlich zu beschäftigen. 2012 habe ich angefangen, meine kleinen Katzen mit selbstgemachtem BARF zu ernähren. Seit 2016 gebe ich mein Wissen, wie man Katzen erfolgreich barfen kann an andere Menschen und ihre Katzen weiter. In dieser ganzen Zeit habe ich bis heute noch einen Konflikt mit mir herumgeschleppt. Dieser stand als „Projekt“ auf meinem Zettel und sollte dann gelöst werden, wenn ich einige Jahre Erfahrung und noch mehr Wissen in Bezug auf Katzenfutter und BARF habe. Der Zeitpunkt ist jetzt! Endlich! Es geht um das Thema:

Taurinpulver im BARF!

Ja oder nein, und wenn ja, wieviel?

Mein Ziel war es von Anfang an, und ist es auch heute noch, die Katzen natürlich gesund und ausgewogen zu Barfen. Nun ist das Taurin, was wir in unser Futter geben aber synthetisch. Damals, als ich mit allem begann und bei meinen Zwischenschritten, die ich oben beschrieben habe, war ich mir aber immer sicher, dass es besser ist, unser BARF mit Taurinpulver zu ergänzen, da wir die Versorgung auf natürlichem Wege aus meiner Sicht nicht sicherstellen können.

Es gab und gibt aber immer wieder Stimmen, die sagen, es geht doch komplett natürlich und wir benötigen kein künstliches Taurinpulver. Und diese Worte klingen für mich auf Anhieb immer ganz toll. Denn ich hätte es eigentlich auch gerne so gehabt. Komplett natürlich und ausgewogen. Aber immer, wenn ich anfing zu rechnen, kam ich zu dem Ergebnis, dass unser Futter aus meiner Sicht einen Taurinmangel hätte, wenn wir nicht synthetisch supplementieren würden.

Gerne möchte ich an dieser Stelle schon das Ergebnis meiner Überlegungen Damals und Heute vorwegnehmen:

Als alles begann, war es so, und das ist heute noch genauso, dass die Forschungsergebnisse in Bezug auf den Taurinbedarf der Katzen sehr stark unterschiedlich sind. Daraus ergibt sich eine sehr große Spannbreite an empfohlenen Bedarfswerten.  Hinzu kam, dass es kaum Analysewerte von Mäusen gab, die ja die natürliche Nahrung der Katze darstellen. Und die wenigen existierenden Analysewerte für Taurin in der Maus waren auch recht weit voneinander entfernt.

Ich beschloss damals, mich bezüglich des Taurinbedarfs der Katze, an der Maus zu orientieren. Ermittelte einen mittleren Tauringehalt im natürlichen Futter (Maus) der Katze und stimmte unser BARF darauf ab. Dieses Vorgehen fühlte sich für mich auch nochmal passender an, als ich herausfand, dass andere Menschen ihre Katzen ebenfalls auf diese Weise erfolgreich barften. Es erschien mir ein Weg zu sein, der für die Katzen gut funktioniert. Der Haken an der Sache war für mich halt immer, dass wir um diese gewünschte Taurinmenge im Futter sicher dauerhaft zu supplementieren, synthetisches Taurin benötigen.

Mein Gedanke war dann immer: Wir machen es erstmal genau so um auf Nummer sicher zu gehen. Und wenn ich dann ausreichend eigene Erfahrungen mit meiner Fütterung gesammelt habe, stelle ich mir die ganzen Fragen rund um Taurin im BARF nochmal neu.

Jetzt habe ich dieses Vorhaben umgesetzt und habe richtig Freude daran. Heute habe ich so viel mehr Erfahrung in der Katzenernährung und habe viel dazu gelernt. Und auf Basis dessen habe ich das ganze Taurinthema für mich und für euch nochmal neue aufgerollt. Mit dem Ergebnis:

Wir supplementieren weiterhin synthetisches Taurin in unserem BARF

Ab jetzt aber ohne Konflikt oder schlechte Gefühle. Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir es benötigen, wenn wir mit unserer BARF Art unsere Katzen in ihre bestmögliche Gesundheit bringen wollen. Und dass es uns keinerlei Nachteile bringt, obwohl es synthetisch ist. 

Und die Einzelheiten erzähle ich Dir dann gerne in diesem Artikel, wenn Du weiterlesen magst. 

Was ist denn überhaupt Taurin?

Bekannt aus Energy Drink und Katzenfutter. Darf ich vorstellen: Taurin! C2H7NO3S eine 2-Aminoethansulfonsäure. Nein, Taurin ist eigentlich keine Aminosäure, gehört aber trotzdem zu den Aminosäuren. (Logisch ;-)). Taurin ist ein Stoff, der überwiegend in seiner reinen Form im Körper verfügbar ist und an vielen wichtigen Prozessen beteiligt ist. Wichtig zu wissen in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass Taurin keine aufputschende Wirkung hat, so wie es uns die Werbung für den Energy Drink oft glauben machen will. Das kommt vom Koffein im Getränk und nicht vom Taurin. Hier wird lediglich ein Mythos aufrechterhalten. C2H7NO3S wurde von Forschern 1827 erstmals aus Stiergalle hergestellt. Und da die lateinische Bezeichnung für Stier „Taurus“ ist, bekam es den Namen Taurin. So wird es gefühlsmäßig heute noch mit der Kraft des Stieres in Verbindung gebracht. Es hätte aber auch genauso gut aus der Galle eines Erdmännchens hergestellt werden können, denke ich mir so.

Taurin kommt in natürlicher Form in tierischem Gewebe vor. Hauptsächlich in den Muskeln und im Gehirn. Als synthetisches Supplement im Katzenfutter (oder Energydrink) kennen wir es als weißes, kristallines Pulver.

Welche Aufgaben erfüllt Taurin im Körper?

Jeder Nährstoff den wir unserem Körper oder dem der Katze zuführen, erfüllt sehr viele Aufgaben im Gesamtorganismus. Aus meiner Sicht kann man die Aufgaben nicht auf einzelne reduzieren. Ich sehe den Körper gerne als gesamten Organismus. Und damit dieser funktioniert muss alles stimmen. Die Aufgaben von Taurin im Körper, die wir kennen sind nur die, die bereits gut erforscht sind. Aber da gibt es auch immer ganz viel, von dem die Forschung noch nichts weiß. Sonst würde ja niemand mehr forschen. Naja, und diese bereits erforschten Aufgaben sind Folgende:

  • Taurin wird für die Bildung von Gallensäure benötigt und steht damit im Zusammenhang mit der Fettverdauung.
  • Taurin wird für den Muskelaufbau und seine Funktion benötigt.
  • Für die Funktion des Zentralnervensystems.
  • Taurin wirkt antioxidativ.
  • Es ist beteiligt an der Regulation des Wasserhaushaltes im Körper bzw. in den Zellen.

Bei Katzen niemals auf Taurin verzichten!

Menschen und andere Säugetiere sind nicht auf die Zufuhr von Taurin angewiesen. Wir synthetisieren es selber in unserem Körper. Bei Katzen funktioniert der Stoffwechsel etwas anders. Die Leber besitzt zum Beispiel andere Enzyme und ist bei Katzen weniger gut in der Lage, Taurin in ausreichender Menge herzustellen. Gleichzeitig benötigt die Katze im Gegensatz zu anderen Säugetieren unbedingt Taurin für bestimmte Körperprozesse.  Die Bildung der Gallensäure der Katzen benötigt zwingend eine bestimmte Menge Taurin, während andere Säugetiere auch andere Bausteine dafür verwenden können, wenn nicht ausreichend Taurin vorhanden ist. Deswegen sind die Katzen darauf angewiesen, dass sie Taurin über ihre Nahrung regelmäßig in ausreichender Menge aufnehmen.

Nun, fragen wir uns, was ist regelmäßig und was ist die ausrechende Menge? Und hier scheiden sich eben die Geister sehr.

Was wir genau wissen ist, dass es Situationen gibt, in denen Katzen Mangelerscheinungen und Krankheiten entwickeln, weil sie zum Beispiel mit Hundefutter ohne Taurinzusatz ernährt werden. Es gibt also ein zu Wenig. Wo diese Grenze aber nun genau liegt, wissen wir nicht genau. Und im Grunde geht es ja auch nicht darum, ab wann es zu wenig ist, sondern welche Menge optimal für die Katze ist.

Wieviel Taurin benötigt eine Katze?

Das weiß natürlich keiner so genau. Ein Nährstoff kann nicht einfach isoliert in einer abgezählten Menge behandelt werden. Es gibt individuell sehr viele Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und den Bedarf unterschiedlich gestalten. Dann gibt es verschiedene Forschungen, unterschiedliche Betrachtungsweisen der einzelnen Menschen und das ganze führ dann dazu, dass wir in der Literatur eine recht große Spannbreite an ermittelten Bedarfswerten der Katzen an Taurin finden. Hier ein paar Beispiele: 

  • 60-120 mg pro 1 kg Katze pro Tag
    • Skript für Tiermedizinstudenten, Dr. Wanner – Universität Zürich
  • 20-60 mg pro 1 kg Katze pro Tag
    • Tierärztin Jutta Ziegler
  • 120 mg pro 1 kg Katze pro Tag
    • Susanne Reinerth ,Autorin eines BARF Buchs
  • 50 mg pro 1 kg Katze pro Tag
    • NRC-Werte, damit arbeiten die meisten BARF – Berater

Zusammenfassend können wir sagen, liegt der Taurinbedarf der Katze theoretisch zwischen 20 mg und 120 mg pro 1 kg Katze pro Tag.

Ich selber supplementiere übrigens 60 mg Taurin zusätzlich zum natürlich im Futter enthaltenen. Aber dazu auch später mehr, wenn Du magst.

Auch die Analysen von Mäusen, als natürliches Katzenfutter lieferten recht unterschiedliche Tauringehalte. Zum Tauringehalt der Mäuse schreibe ich dann weiter unten, da wir diesen dann auch als Grundlage verwenden, um unser Futter zu supplementieren.

Taurinmangel und Überdosierung

Erforschung

Bevor ich hier los lege möchte ich Dir gerne kurz erklären, was Mangel – Mangelerscheinung oder Überdosierung in diesem Zusammenhang überhaupt bedeutet. Denn das ist uns oft gar nicht klar. Meiner Meinung nach, lassen sich diese theoretischen Forschungsergebnisse nicht einfach so auf das echte Leben einer Katze und ihre Ernährung übertragen. Sämtliche Forschungen werden in Tierversuchslaboren durchgeführt. Die Tiere leben dort unter schlechten Bedingungen, müssen viele leidvolle Behandlungen über sich ergehen lassen, die zum Teil mit dem Tod enden. Wir können das nicht ungefiltert auf unsere gebarften und geliebten Katzen übertragen. 

Die Folgen von Mängeln werden erforscht, indem spezielles Futter künstlich so hergestellt wird, dass es absolut arm an dem zu prüfenden Stoff ist. Dann wird über Wochen und Monate gefüttert, bis Krankheiten auftreten. Aus den sichtbaren Ergebnissen, werden dann Zahlen für Bedarfe abgeleitet und festgestellt, welche Erkrankungen auftreten, wenn der Bedarf nicht gedeckt ist. Genauso wird bei Überdosierung und ihren Folgen verfahren. Synthetische Stoffe werden in viel zu großen Mengen bis hin zu Krankheit und Tod gegeben. Aus diesen Ergebnissen werden dann wieder entsprechende Schlüsse gezogen. Kein Tier würde unter normalen Bedingungen freiwillig so viel von einem Stoff essen, dass es daran stirbt. 

Unsere natürlich ernährten Katzen sind weit von dem entfernt, was in der Forschung in Versuchslaboren stattfindet. das sollten wir im Hinterkopf haben, wenn wir uns mit den Bedarfszahlen, Mangelerkrankungen und Folgen der Überdosierung beschäftigen.

Folgen

Hier könnten wir uns als erstes die Frage stellen: Was ist überhaupt ein Mangel und was ein Überfluss? Es kann hier keine klaren Zahlen geben. Fängt der Mangel dort an, wo die Krankheit sichtbar wird oder schon vorher? Oft werden Mindestbedarfe angegeben, die einen Mangel mit gesundheitlichen Schäden verhindern sollen. Aber ist das dann eine gute Idee, diesen Mindestbedarf zu füttern, oder darf es auch etwas mehr sein?

Also meine persönliche Meinung zu dem ist, dass es mir darum geht, das Futter so zusammen zu stellen, dass die Bedarfe möglichst gut und satt gedeckt sind. Es darf eher etwas mehr als weniger sein. Denn es geht nicht darum, Mängel zu verhindern, indem ich einen Mindestbedarf abdecke, sondern den Körper möglichst ideal zu ernähren. Und auch ein ganz leichter Mangel lässt Prozesse im Körper schon weniger gut ablaufen. Aber auch dazu später gerne mehr und genaue Gedanken. Nun erstmal zu den erforschten Folgen von Taurinmangel und Überdosierung: 

Synthetisches Taurin wird nach den Untersuchungen an Versuchstieren toxisch als unbedenklich eingestuft. Es stellt ein Endprodukt des Stoffwechsels dar und wird somit unverändert aus dem Körper ausgeschieden. Schäden durch Überdosierung sollten also nicht auftreten können, wenn wir uns irgendwo in den angegebenen Bereichen der Taurinergänzung bewegen. 

Bezüglich der Folgen von Taurinmangel ist es so, dass nicht alle Erfahrungen ausschließlich aus Tierversuchen stammen. Auch im wirklichen Leben gab und gibt es immer mal wieder Katzen, die durch Taurinmangel bestimmte Krankheiten, wie Herzprobleme und Augenerkrankungen entwickelten. Das sehe ich persönlich als die wichtigere Erkenntnis, als die Folgende:

Wenn dann in Studien im Labor, genauer geforscht wird, hat man es in einem Fall zum Beispiel so gemacht, dass man Katzen völlig ohne Taurin im Futter ernährt hat um dann zu sehen, welche Krankheiten sie genau entwickeln. Beim Taurinmangel waren das dann unter anderem Störungen des Zentralnervensystems, Herzerkrankungen, Netzhauterkrankungen mit Blindheit, Zahnprobleme, Totgeburten und mangelnde Entwicklung bei Kitten.

Persönliche Anmerkung

Vielleicht an dieser Stelle erwähnt: Derartige Untersuchungen und Studien waren für mich damals einer der Gründe, warum ich Maschinenbau studiert habe und nicht Tiermedizin. Interesse hatte ich, aber ich hätte derartige Forschungen und Studien nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können. Ich bin der Meinung, dass man „Tierversuche“ und Studien auch weniger schmerzhaft und leidvoll für die Tiere gestalten könnte. Aber das nur als meine persönliche Meinung am Rande.

Wieviel Taurin ist denn nun in Katzenfutter drin?

Wenn wir hierzu Angaben machen und vergleichen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als dafür Zahlen zu benutzen. Denn ohne geht es gar nicht. Wir müssen aber bedenken, dass diese Zahlen keine absolut allgemeingültige Klarheit geben. Denn die Wertigkeit des Taurin für den Körper ist nicht immer gleich. Das natürliche Taurin in seinem natürlichen Verbund wird aus meiner Sicht garantiert anders von der Katze verwertet werden können, als das synthetische. Eigentlich kann man sich bei allen chemischen Produkten nicht ganz sicher sein, wie sie denn nun ganz genau im Körper wirken. Auch die Erhitzung spielt eine Rolle und verändert damit die Wertigkeit. Aber ich will Dir trotzdem ein paar Zahlen nennen, damit Du nachvollziehen kannst, wie ich darauf gekommen bin unser BARF mit Taurin zu supplementieren, so wie wir das machen. Denn dafür habe ich diesen Artikel ja geschrieben.

Tauringehalt einer Maus

Das meiste Taurin befindet sich in stark beanspruchten Muskeln. Dem Herz, den Skelettmuskeln und auch im Gehirn. Die Angaben über Analysen von Mäusen schwanken recht stark. Ich habe im Zuge dieser Arbeit die Quellenangaben nachvollzogen und versucht, den Ursprung dieser Angaben zu finden. Leider verliefen diese Spuren fast immer im Sande. So viel zum Thema Quellenangaben. (Ich werde ja manchmal kritisiert, wenn ich keine mache. Aber noch schlimmer finde ich, wenn Menschen welche angeben und diese dann falsch sind.) 

Also ich habe mir folgende Werte des Tauringehaltes einer Maus als Grundlage genommen:

  • 140-270 mg/100 g
    • Tierärztin Jutta Ziegler „Rohkäppchen und der Zahnlose Wolf“
  • 178 mg/100 g
    • Eine Analyse wild lebender kanadischer Hirschmäuse, durchgeführt von der Firma TC Feline
  • 240 mg/ 100 g
    • Dieser Wert wird im Allgemeinen in BARF Ausbildungen gelehrt und von BARF Beratern genutzt, aber für mich war nicht nachvollziehbar, woher er stammt (Vielleicht weißt Du mehr darüber? Dann schreibe es mir, bzw. allen anderen Lesern gerne in die Kommentare unten.)

Ich habe dann für meine Berechnungen, die ich Dir weiter unten zeige einen für mich sinnvollen mittleren Tauringehalt verwendet.

Taurin in der Katzenmuttermilch

Der Tauringehalt in der Milch der Katzenmutti ist davon abhängig, wie sie selber gefüttert wird. Also ist auch dieser wieder kein Wert an dem wir uns dogmatisch festhalten dürfen, sondern wieder nur als Anhaltspukt zu sehen.

Im Skript für Tiermedizin der Universität Zürich findet man die Werte, 21-36 mg pro 100g. In anderer Literatur findet man die Angabe 30 mg pro 100g. (Kuhmilch hat zum Vergleich 0,13 mg pro 100 g)

Katzenwelpen können Taurin besser verwerten, als Erwachsene. Vermutlich wegen weniger bakteriellen Abbaus im Darm.

Taurin in BARF

Im rohen Fleisch ist generell natürliches Taurin enthalten. Wie bei der Maus gilt auch bei anderen Futtertieren, dass die höchsten Taurinwerte in den stärker belasteten Muskeln zu finden sind. Des Weiteren findet man in Muscheln sehr hohe Tauringehalte. Gerne verlinke ich Dir hier an dieser Stelle einmal eine komplette Tabelle mit Analysewerten. Wie ich in unserem BARF damit arbeite und mir das alles so denke, zeige ich Dir dann im nächsten Absatz.

https://www.vetmed.ucdavis.edu/sites/g/files/dgvnsk491/files/aal/pdfs/spitze.pdf

Im Allgemeinen wird die Taurinsupplementierung beim BARF sehr unterschiedlich angesehen. Es gibt Methoden und Menschen, die davon überzeugt sind, dass das natürliche Taurin im Fleisch aufgrund der hohen Wertigkeit im Rohfutter ausreicht. Zum Beispiel vertritt die Tierärztin Jutta Ziegler diese Meinung. Ich habe es aber auch schon oft von anderen Menschen gehört. 

Da Muschelfleisch sehr gute Tauringehalte hat, wird in manchen BARF Arten auch gerne mit Muscheln oder Muschelpulver supplementiert.

Oder man gibt eben synthetisches Taurinpulver zusätzlich ins BARF. Alles wird gemacht und scheint also auch irgendwie zu funktionieren.

Taurin in meinem / unserem BARF

Um die Taurinfrage für mich zu beantworten habe ich mir einige Orientierungspunkte gesucht. 

Die erste Frage, die ich mir immer stelle ist, wie sind die praktischen Resultate. Wo sind diese Katzen, die schon über längeren Zeitraum nach einer bestimmten Methode gefüttert wurden, und wie sehen diese Katzen jetzt aus. Wenn ich diese Katzen finde, dann mache ich mir ein Bild davon, wie es ihnen geht und wenn das gut ist, dann hat diese Fütterung für mich eine Bedeutung. Sonst nicht. Bei Taurinmängeln im wirklichen Leben (nicht im Labor) kann es Monate bis Jahre dauern, bis die Probleme in Folge von Mangel sichtbar werden. Und schon oft habe ich Menschen gefunden, die mir erklärt haben, wie gut gebarft wird, haben es aber selber nie über längere Zeit mit den Katzen gemacht. Diese Aussagen haben für mich dann, wie gesagt in der Praxis wenig Bedeutung.

(Ich höre auch niemals Menschen zu, die übergewichtig und ungesund aussehen und mir dann was über Ernährung erzählen wollen.)

Die zweite Frage, die ich mir immer stelle ist: Funktioniert es nur irgendwie, oder ist es optimal aus meiner Sicht. Denn ich habe mir zum Ziel gesetzt, dass für unsere Katzen beste Futter zu machen, was wir können. Auch dürfen wir im Hinterkopf haben, dass die Produktion von Fertigbarf ohne Taurinzusatze deutlich wirtschaftlicher ist, als mit Taurinzusatz. Denn Taurin in reiner Lebensmittelqualität ist schon recht hochpreisig. Vielleicht an dieser Stelle noch interessant zu erwähnen, dass Taurin wasserlöslich ist. Das meiste Fertigbarf ist gewolft und verliert durch die große Oberfläche recht viel Wasser, wenn man es wegschüttet. In diesem Wasser ist ein Teil des Taurins gelöst.

Und die letzte Frage, die ich mir auch immer gerne stelle ist: „Was sagt denn die Natur dazu?“ Soll heißen, ich möchte mich gerne am Gehalt der natürlichen Beutetiere orientieren und nicht an den Ergebnissen von Tierversuchsstudien. (Wobei das zahlenmäßig hier in einem ähnlichen Rahmen liegt und sich nicht gegenseitig widerspricht.)

Die Orientierung an der Maus

Aus den Angaben die ich zum Tauringehalt in Mäusen finden konnte, habe ich mir unter Berücksichtigung der theoretischen Bedarfswerte der Katze an Taurin, einen aus meiner Sicht sinnvollen Mittelwert gebildet. Dieser liegt bei 200 mg/ 100 g Maus und dient mir als Orientierung für den Bedarf unserer Katzen an Taurin.

Die starke Spannbreite an Bedarfswerten entsteht aus meiner Sicht auch, weil sehr unterschiedliche Futtermengen für die Katzen zu Grunde gelegt werden. Es wird sich beim täglichen Kalorienbedarf einer Katze zum Beispiel in der Tiermedizin und Tierheilpraxis an einer Menge von 10-12 Mäusen orientiert, die eine Wildkatze täglich verspeisen muss.

Unsere Katzen sind aber keine Wildkatzen, sondern leben zum Teil ziemlich gemütlich. Und die Erfahrung aus meiner BARF Fütterung und Mäusefütterung unserer Hauskatzen ist, dass die Katzen mit ca. 150-170 g Maus im Schnitt pro Tag satt werden. Das macht bei 30 g schweren Mäusen 4-5 Stück am Tag. Eine erwachsene Katze verspeist im Schnitt täglich die selbe Menge (150-170 g) BARF. Ich rechne immer mit der 3,5-4 kg Katze, denn diese habe ich auch hier zu Hause.

Ich habe mich aber sowieso bei der Bestimmung der benötigten Mausmenge gar nicht so sehr festgelegt, sondern orientiere mich einfach am Gehalt an Taurin in 100 g Maus und passe daran unser BARF an. 

Unsere Katze isst pro 1 kg Katze pro Tag 43 g BARF. Den Tauringehalt in der Maus (200 mg/ 100 g) rechne ich darauf herunter. Das bedeutet unsere Katze benötigt 86 mg Taurin pro 1 kg Katze pro Tag. 

Tauringehalt in unserem BARF

Dann schauen wir mal, wie viel natürliches Taurin unser Katzenfutter im Schnitt so hergibt. Da es für viele der etwas außergewöhnlicheren Fleischsorten und Herzfleisch keine Angaben über den Tauringehalt in den Datenbanken gibt, kann ich die Taurinwerte nicht direkt in unserem BARF Rechner verarbeiten. Deswegen habe ich mir auch hier einen mittleren Wert aus den gängigsten, verwendeten Fleischsorten in unserem Katzenfutter ermittelt.

Unsere Katze futtert erfahrungsgemäß im Schnitt 28 g Fleisch pro 1 kg Katze pro Tag. (Der Rest zu den oben angegebenen 43 g sind die Supplemente und das Wasser im Futter.)

Beispielgehalte an Taurin in gängigen Fleischsorten in diesen 28g:

  • Hühnerbrust: 5 mg
  • Hühnerbein: 9 mg
  • Hühnerherz: 33 mg
  • Putenbrust: 3 mg
  • Putenfleisch (Hack): 59 mg
  • Putenherz: keine Angabe 
  • Pferdefleisch: 8 mg
  • Lammfleisch: 60 mg
  • Rindfleisch: 10 mg
  • Rinderherz: 18 mg
  • Kaninchen – ganz gewolft: 10 mg

Im Mittel macht das: 21,5 mg

  • Der Lachs, den wir im Futter verwenden, hat einen verschwindend geringen Tauringehalt von 1,3 mg für unser 1 kg Katze pro Tag.
  • Die Miesmuschel ist die taurinreichste Muschel mit 655 mg pro 100 g. Das heißt, eine durchschnittliche 4 kg Katze kann mit ca. 50 g Miesmuschel pro Tag ihren Taurinbedarf decken. Sie würde dann aber viel zu viel Jod erhalten. Diese Menge zu füttern ist nicht realistisch, finde ich. 

Ich mache es in meinem BARF für meine und eure Katzen so, dass wir zusätzlich noch 60 mg pro 1 kg Katze pro Tag mit Taurinpulver supplementieren. So kommen wir mit den 21,5 mg oben auf theoretische 81,5 mg und liegen damit sehr nah an meinem angenommenen Bedarf von 86 mg. 

Jeder, der meinen BARF Rechner nutzt und etwas Erfahrung mit dem BARF hat, kann sich den Wert für den Taurinzusatz im Futter aber auch bequem anpassen und auf diese Weise mit anderen Werten arbeiten.

Taurinpulver ist nicht gleich Taurinpulver (wichtig)

Wenn wir unser Futter mit Taurinpulver supplementieren wollen, müssen wir das Pulver verwenden, welches auch für diesen Zweck ausgewiesen ist. Taurinpulver wird, soweit ich das recherchieren konnte, in China produziert. Es gibt eine Firma, die ihre Produktion und das Produkt offenlegt und auch kontrollieren lässt. Dieses Taurin ist das, was für Futtermittel und Energydrinks eingesetzt wird. Es gibt dann aber noch andere chinesische Firmen, die können das günstiger herstellen, verraten aber nicht so ganz genau, wie sie das machen. Das ist dann das, was Du günstig in Online-Shops für Sportlerbedarf kaufen kannst. Oder direkt im Fitnessstudio. Dieses unterliegt anderen oder gar keinen Kontrollen und kann Schadstoffe enthalten. 

Ich selber habe in meinem alten Beruf als Maschinenbauingenieurin mit chinesischen Firmen zusammen gearbeitet. Und glaube mir. Der Chinese ist sehr erfinderisch, wenn es darum geht Kosten einzusparen. (Natürlich nicht nur der Chinese, aber das waren die, deren Arbeitsweise ich kennen lernen durfte.) Und Kosteneinsparung geht immer zu Lasten der Qualität. Kann gar nicht anders sein. 

Fazit: Weitermachen, wie bisher!

Taurin werde ich bei meinen Katzen weiterhin synthetisch supplementieren. Bei mir gibt es auch noch ein Hindernis, mit Grünlippmuschelpulver zu ergänzen, denn mein lieber Kater Mounty, der eigentlich alles verträgt und auffuttert, kotzt von Grünlippmuschelpulver in seinem Essen. Das machen wir da jetzt nicht mehr rein. 

In meinem BARF-Online Kurs lernt ihr weiterhin das Taurinpulver richtig zu supplementieren. Jedem steht es aber frei, es später anders zu probieren. Ich sehe meine Kurse und meine BARF Methode sowieso hauptsächlich als Einstieg für jeden. Eine sichere, einfache, leicht verständliche Methode zum sorgenfreien Übernehmen und BARF Start. Später darf es sich weiter entwickeln. Muss nicht, aber kann.

Meine Katzen werden jetzt seit 10 Jahren so gefüttert und sind gesund. Und ich möchte es auch aus diesem Grunde nicht ändern. 

Eigentlich sind meine Katzen ja auch Versuchstiere. Ich überlege mir theoretisch anhand von vielen Zahlen und dem Vergleich mit der Natur, welches das allerbeste Futter für sie sein müsste. Und dann wird es gegessen und damit getestet. Ich finde, so könnten doch auch andere Tierversuche und Studien laufen. Mir genügt es völlig, meine superfitten Katzen zu sehen, um meine Kunden mit einem ganz wunderbar guten Gefühl in Bezug auf ihr Futter für ihre Katzen zu beraten. Ich finde, mehr braucht es nicht. 

 

 

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2 Kommentare
  1. Sabine sagte:

    Hallo Angela, das ist ein toller, ausführlicher Bericht über Taurin. Was mir noch fehlt, ist, wie ist das mit Freigängern, die ja zusätzlich zum Barf noch Mäuse fressen, meine zumindest. Kann ich dann den Tauringehalt im Barf senken, oder sollte ich ihn beibehalten? Es bleibt ein spannendes Thema.
    LG Sabine

    Antworten
    • Angela Genovese sagte:

      Liebe Sabine,
      ich mache es so, dass ich sage, wir wollen mit unserem BARF in Bezug auf Taurin eine Maus „nachbauen“. Also bleibt das BARF auch bei Freigängern, so wie im Artikel beschrieben. Egal, wieviel echte Mäuse noch gegessen werden.
      Liebe Grüße Angela

      Antworten

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